Immunsystem bei Hashimoto TH1, TH2 & TH17 einfach erklärt

Hashimoto verstehen: Was hinter TH1-, TH2- und TH17-Zellen steckt

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Stell dir vor, du sitzt in einem Konzertsaal. Das Orchester beginnt zu spielen. Die ersten Töne setzen ein, eigentlich wunderschön. Doch nach kurzer Zeit wird klar: Irgendetwas stimmt nicht. Einige Instrumente sind zu laut. Andere gehen unter. Einsätze passen nicht. Es fehlt an Harmonie.

Ähnlich fühlen sich viele Frauen mit Hashimoto im eigenen Körper.

Die Beschwerden sind oft schwer greifbar. Energie fehlt, obwohl scheinbar alles „richtig" gemacht wird. Der Körper reagiert sensibel, manchmal widersprüchlich.

Es entsteht der Eindruck, dass das Immunsystem unkontrolliert arbeitet.

Der Denkfehler bei Hashimoto: „Das Immunsystem ist zu stark"

Im Zusammenhang mit Hashimoto wird häufig davon gesprochen, dass das Immunsystem „überaktiv" sei und die Schilddrüse angreife.

Diese Beschreibung ist nicht grundsätzlich falsch, aber sie ist unvollständig.

Das Immunsystem ist kein System, das einfach nur stärker oder schwächer wird. Es ist ein hochkomplexes Netzwerk, das permanent reguliert, ausbalanciert und anpasst.

Bei Hashimoto zeigt sich häufig kein reines „Zuviel", sondern eine gestörte Abstimmung innerhalb dieses Systems.

Ein Teil der Immunantwort ist verstärkt aktiv. Gleichzeitig fehlen regulatorische Signale, die diese Aktivität wieder begrenzen. Reaktionen werden eingeleitet, aber nicht sauber beendet.

Das bedeutet:

Es liegt weniger eine reine Überaktivität vor, sondern ein Ungleichgewicht innerhalb der Immunregulation. Genau deshalb greifen einfache Ansätze, die das Immunsystem pauschal „stärken" oder „unterdrücken" sollen, häufig zu kurz.

Das Immunsystem bei Hashimoto als Orchester

Um die Vorgänge besser zu verstehen, hilft ein anderes Bild. Das Immunsystem lässt sich gut mit einem Orchester vergleichen.

Es besteht aus verschiedenen „Instrumenten", die jeweils spezifische Aufgaben übernehmen und eng miteinander abgestimmt sein müssen.

Ein Teil dieses Systems sind die T-Helferzellen (TH-Zellen), wovon es wiederum verschiedene Sorten gibt:

TH1-Zellen

TH1-Zellen sind vor allem an sogenannten zellulären Immunreaktionen beteiligt. Das bedeutet: Sie greifen dort ein, wo sich etwas innerhalb von Körperzellen abspielt. Typische Beispiele sind Viren, die sich in Zellen vermehren, oder auch veränderte Zellen, die nicht mehr richtig funktionieren.

TH1-Zellen senden dann Signale aus, die andere Immunzellen aktivieren, um diese betroffenen Zellen zu erkennen und zu beseitigen. Auch bei Hashimoto spielen solche Prozesse eine Rolle, weil es im Schilddrüsengewebe zu entzündlichen Reaktionen kommt.

TH2-Zellen

TH2-Zellen sind stärker an der sogenannten humoralen Immunantwort beteiligt. „Humoral" bedeutet, dass die Abwehr über Flüssigkeiten im Körper, vor allem über das Blut, abläuft. Dabei stehen Antikörper im Mittelpunkt.

TH2-Zellen unterstützen B-Zellen dabei, passende Antikörper zu bilden. Diese Antikörper können sich gezielt an bestimmte Strukturen binden, zum Beispiel an Pollen, Bakterien oder Nahrungsbestandteile, um sie für das Immunsystem sichtbar zu machen. Ein klassisches Beispiel sind allergische Reaktionen, bei denen Antikörper auf eigentlich harmlose Stoffe wie Pollen reagieren.

TH17-Zellen

TH17-Zellen wirken stark entzündungsverstärkend. Sie kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn das Immunsystem an Schleimhäuten aktiv ist, zum Beispiel im Darm oder in den Atemwegen. Dort helfen sie eigentlich dabei, Bakterien und Pilze abzuwehren.

Problematisch wird es, wenn diese Zellen zu aktiv sind, denn dann können sie Entzündungen verstärken und aufrechterhalten. Genau das wird auch bei Hashimoto beobachtet: TH17-Zellen tragen dazu bei, dass Entzündungsprozesse im Schilddrüsengewebe bestehen bleiben.

Treg-Zellen

Eine zentrale Rolle übernehmen die regulatorischen T-Zellen, sogenannte Treg-Zellen. Sie sind so etwas wie die „Bremse" des Immunsystems. Ihre wichtigste Aufgabe ist die sogenannte Immuntoleranz. Das bedeutet, dass das Immunsystem körpereigene Strukturen, wie zum Beispiel die Schilddrüse, als „zugehörig" erkennt und nicht angreift.

Gleichzeitig sorgen Treg-Zellen dafür, dass Immunreaktionen wieder beendet werden, sobald sie nicht mehr gebraucht werden. Bei Hashimoto zeigt sich häufig, dass diese regulierende Funktion eingeschränkt ist. Dadurch fehlt ein wichtiger Mechanismus, der das System wieder zur Ruhe bringt.

B-Zellen

B-Zellen bilden bei Hashimoto häufig TPO- und Tg-Antikörper. Diese Antikörper sind ein typisches Kennzeichen der Erkrankung und zeigen, dass auch die humorale Immunantwort beteiligt ist.

Mastzellen

Auch Mastzellen sind beteiligt. Sie reagieren besonders schnell auf Reize aus der Umwelt und setzen Botenstoffe wie Histamin frei. Das kennt man zum Beispiel von allergischen Reaktionen, bei denen es zu Juckreiz, Schwellungen oder Rötungen kommt. Sie können aber auch Entzündungsprozesse im Körper verstärken.

Je nach Begleitsymptomatik, zum Beispiel bei gleichzeitiger Histamin- oder Allergiethematik, können auch die Mastzellen relevant sein.

Alle diese verschiedenen Zellen des Immunsystems sind wichtig und erfüllen jeweils eine sinnvolle Aufgabe. Das Problem bei Hashimoto liegt nicht darin, dass eine dieser Zellen „zu aggressiv" ist.

Entscheidend ist das Zusammenspiel.

Denn nur wenn alle Teile richtig miteinander kommunizieren, kann das Immunsystem flexibel reagieren und anschließend wieder in die Ruhe zurückkehren.

Was hinter dieser Immunsystem-Dysbalance bei Hashimoto steckt

Wenn ein Orchester aus dem Takt gerät, liegt es selten daran, dass ein einzelnes Instrument „falsch" ist. Meist sind die Rahmenbedingungen gestört.

Übertragen auf Hashimoto bedeutet das: Das Immunsystem reagiert nicht grundlos, sondern auf Signale, die immer wieder aktiviert werden.

Zu den häufigsten Einflussfaktoren gehören:

Eine gestörte Darmbarriere

Die Darmschleimhaut bildet normalerweise eine Schutzschicht, die kontrolliert, was in den Körper gelangt. Ist diese Barriere durchlässiger, können mikrobielle Bestandteile, Antigene oder entzündungsfördernde Signale leichter mit dem Immunsystem in Kontakt kommen.

Ein verändertes Mikrobiom

Die Zusammensetzung der Darmbakterien beeinflusst direkt, wie das Immunsystem reagiert. Bestimmte Bakterien fördern eher entzündliche Prozesse, andere unterstützen regulatorische Mechanismen.

Chronischer Stress

Über das Nervensystem und Hormone wie Cortisol beeinflusst Stress die Immunantwort. Dauerhafte Aktivierung kann dazu führen, dass Entzündungsprozesse schlechter reguliert werden.

Nährstoffmängel

Bestimmte Mikronährstoffe sind essenziell für eine funktionierende Immunregulation. Dazu gehören unter anderem Vitamin D, Zink, Selen und Vitamin A.

Umweltfaktoren

Toxine, Infektionen oder andere Belastungen können das Immunsystem kontinuierlich aktivieren.

Das Immunsystem reagiert auf diese Einflüsse. Es handelt sich nicht um ein „Fehlverhalten", sondern um eine Anpassung an die vorhandenen Bedingungen.

Was es mit der „TH1-Dominanz" bei Hashimoto auf sich hat

Im Zusammenhang mit Hashimoto taucht immer wieder der Begriff „TH1-Dominanz" auf. Damit ist gemeint, dass ein bestimmter Teil des Immunsystems, nämlich die TH1-Zellen, besonders aktiv ist und entzündliche Prozesse antreibt.

Diese Einordnung hat ihren Ursprung in älteren immunologischen Modellen und ist auch nicht grundsätzlich falsch. TH1-vermittelte Prozesse spielen bei Hashimoto tatsächlich eine Rolle, insbesondere bei Entzündungen im Schilddrüsengewebe.

Gleichzeitig zeigt sich in neueren Untersuchungen, dass dieses Muster nicht im gesamten Körper identisch ist und auch andere Immunachsen, insbesondere TH17-Zellen, eine wichtige Rolle spielen können.

Neben TH1-Zellen sind häufig auch andere Immunzellen beteiligt, vor allem TH17-Zellen, die Entzündungen verstärken und aufrechterhalten, und regulatorische T-Zellen, die eigentlich dafür sorgen sollten, dass sich das Immunsystem wieder beruhigt.

Der Fokus auf eine reine TH1-Dominanz beschreibt nur einen Teil des Geschehens. Entscheidend ist nicht nur, dass bestimmte Prozesse verstärkt sind, sondern dass gleichzeitig die regulierenden Mechanismen nicht ausreichend greifen.

Es spielt nicht nur ein Instrument zu laut. Es fehlt vor allem an der Instanz, die das Zusammenspiel koordiniert.

Und was ist mit einer „TH2-Dominanz"?

Neben der sogenannten TH1-Dominanz taucht häufig auch der Begriff „TH2-Dominanz" auf. Damit ist gemeint, dass Immunprozesse verstärkt aktiv sind, die vor allem mit Antikörpern und allergischen Reaktionen zusammenhängen.

TH2-Zellen unterstützen die Bildung von Antikörpern und sind beteiligt an Reaktionen auf äußere Einflüsse wie Pollen, Nahrungsbestandteile oder andere Umweltfaktoren. In diesem Zusammenhang spielen auch Mastzellen eine Rolle, die Botenstoffe wie Histamin freisetzen und damit typische allergische Symptome auslösen können.

Typische Beispiele für solche Reaktionen sind Heuschnupfen, Asthma oder Neurodermitis.

Im Zusammenhang mit Hashimoto wird daraus manchmal abgeleitet, dass entweder eine TH1- oder eine TH2-Dominanz vorliegen müsse. So einfach ist es jedoch nicht. Hashimoto ist ein Zusammenspiel verschiedener Immunreaktionen.

Es spielen nicht nur die Bläser zu laut. Manchmal sind auch zu wenig Streicher vertreten. Entscheidend ist nicht, welches Instrument dominiert, sondern ob das gesamte Zusammenspiel noch funktioniert.

Der entscheidende Perspektivwechsel

Im Zusammenhang mit Hashimoto wird häufig versucht, einzelne Teile des Immunsystems gezielt zu beeinflussen – TH1 reduzieren, TH2 stärken, Entzündung unterdrücken. Diese Ansätze setzen jedoch an der Oberfläche an.

Die zentrale Frage ist nicht: Welche Immunzellen sind aktiv? Sondern: Warum bleibt das Immunsystem in einem Zustand von Aktivität? Warum wird die Reaktion nicht beendet? Warum fehlt die Rückkehr in die Regulation?

Dieser Perspektivwechsel ist entscheidend, weil er den Fokus von einzelnen Mechanismen hin zum Gesamtsystem lenkt.

Was wirklich hilft: zurück in die Regulation

Wenn das Immunsystem als Orchester verstanden wird, wird klar, worauf es ankommt: Nicht einzelne „Instrumente" isoliert zu verändern, sondern die Bedingungen zu schaffen, unter denen wieder ein abgestimmtes Zusammenspiel möglich ist.

Stabilisierung der Barrieren

Eine intakte Darmschleimhaut reduziert die Menge an Reizen, die das Immunsystem aktivieren.

Unterstützung der Immuntoleranz

Regulatorische Prozesse, insbesondere über Treg-Zellen, spielen eine zentrale Rolle dabei, dass körpereigene Strukturen nicht angegriffen werden.

Reduktion von Triggern

Dauerhafte Reize, die das Immunsystem aktivieren, sollten identifiziert und reduziert werden.

Regulation des Nervensystems

Das Nervensystem steht in enger Verbindung mit dem Immunsystem. Eine chronische Aktivierung kann Entzündungsprozesse verstärken.

Ausreichende Versorgung mit Mikronährstoffen

Sie bilden die Grundlage für viele immunologische Prozesse und regulatorische Mechanismen.

Ziel ist nicht, das Immunsystem maximal zu aktivieren oder zu unterdrücken. Ziel ist es, die Fähigkeit zur Selbstregulation wiederherzustellen.

Schulmedizin und funktionelle Perspektive

Die klassische Medizin setzt bei Hashimoto häufig an den sichtbaren Prozessen an – zum Beispiel durch Regulation der Schilddrüsenhormone und gezielte Beeinflussung von Entzündungsprozessen. Diese Ansätze können sinnvoll und notwendig sein, insbesondere zur Stabilisierung von Symptomen.

Die funktionell medizinische Perspektive ergänzt diesen Ansatz. Sie stellt zusätzlich die Frage: Warum ist das Immunsystem überhaupt in diesen Zustand geraten? Welche Faktoren halten die Aktivität aufrecht? Wo fehlen regulatorische Signale? Erst durch diese Betrachtung entsteht ein vollständigeres Bild.

Fazit: Hashimoto zu verstehen heißt, das Zusammenspiel zu verstehen

Die TH1/TH2-Achse kann ein erster Einstieg sein, um das Immunsystem grob zu verstehen. Für Hashimoto reicht dieses Modell jedoch nicht aus.

Die Erkrankung entsteht durch ein Zusammenspiel aus verschiedenen Immunzellen, entzündlichen und regulatorischen Prozessen sowie äußeren und inneren Einflussfaktoren.

Das Immunsystem ist kein System aus Gegensätzen, sondern ein fein abgestimmtes Netzwerk. Und genau hier liegt auch der Schlüssel – nicht einzelne Prozesse isoliert zu betrachten, sondern das gesamte System zu verstehen und wieder in Balance zu bringen.

Denn das Ziel ist nicht Kontrolle, sondern Regulation. Und genau deshalb sollte bei der Behandlung von Hashimoto nicht die Frage im Vordergrund stehen, welche einzelne Immunachse dominiert, sondern wodurch das Immunsystem überhaupt aus dem Gleichgewicht geraten ist – und wie sich diese Regulation ursachenbasiert wiederherstellen lässt.

Häufige Fragen zum Immunsystem bei Hashimoto

TH1-, TH2- und TH17-Zellen sind verschiedene Arten von T-Helferzellen, die unterschiedliche Aufgaben im Immunsystem übernehmen. Bei Hashimoto sind oft mehrere dieser Systeme gleichzeitig beteiligt.

Nein. Bei Hashimoto liegt meist kein „zu starkes" Immunsystem vor, sondern ein Ungleichgewicht in der Immunregulation.

Der Begriff beschreibt eine verstärkte Aktivität bestimmter Immunprozesse. Er greift jedoch zu kurz, da auch andere Immunzellen wie TH17-Zellen eine wichtige Rolle spielen.

TH17-Zellen fördern Entzündungen und können dazu beitragen, dass diese länger bestehen bleiben.

Das Immunsystem reagiert auf verschiedene Trigger wie Darmprobleme, Stress, Nährstoffmängel oder Umweltfaktoren und verliert dabei teilweise die Regulation.

Nicht das Immunsystem zu unterdrücken, sondern die Regulation wiederherzustellen und das Gleichgewicht im System zu unterstützen.

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