Der Hashimoto-Selbsttest:
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Viele Frauen mit Hashimoto kennen dieses Bild nur zu gut. Trotz 8 Stunden Schlaf wachen sie morgens müde auf. Im Job kommt der Brain Fog, am Nachmittag das Tief, abends ist die Energie aufgebraucht. Dazu vielleicht Haarausfall, kalte Hände und Füße und dieses diffuse Gefühl, einfach nicht wirklich verfügbar zu sein.
Wer diese Symptome kennt und vielleicht beim Arzt schon einmal gehört hat, dass möglicherweise ein Eisenmangel dahintersteckt, ist hier genau richtig. Denn beim Thema Eisen gibt es bei Hashimoto einiges zu wissen, was im normalen Arztgespräch oft zu kurz kommt. Dinge, die erklären, warum sich der Eisenmangel manchmal so hartnäckig hält und warum es selten nur damit getan ist, „einfach Eisen zu schlucken".
Dieser Artikel führt Schritt für Schritt durch das Thema: was Eisen im Körper überhaupt macht, warum es bei Hashimoto eine besonders wichtige Rolle spielt, woran sich ein Mangel zeigt, welche Blutwerte wirklich aussagekräftig sind und welche Schritte sich konkret umsetzen lassen.
Eisen ist eines der wichtigsten Spurenelemente überhaupt. Es ist überall dort beteiligt, wo Energie entsteht oder Sauerstoff gebraucht wird. Konkret hat Eisen vor allem fünf zentrale Aufgaben:
Eisen ist der zentrale Baustein des Hämoglobins, also des roten Farbstoffs in den Blutkörperchen, der Sauerstoff von der Lunge zu den Zellen bringt. Ohne ausreichend Eisen kommt weniger Sauerstoff dort an, wo er gebraucht wird. Das spürt man als Müdigkeit, Kurzatmigkeit und nachlassende Leistungsfähigkeit.
Die Mitochondrien sind die Kraftwerke der Zellen. Sie produzieren die Energie für jeden einzelnen Vorgang im Körper. Eisen ist ein essentieller Baustein der Atmungskette in den Mitochondrien. Bei einem Mangel fährt die Energieproduktion herunter, was sich als chronische Erschöpfung zeigt.
Eisen ist ein wichtiger Co-Faktor für die Thyreoperoxidase, also genau das Enzym, das die Schilddrüsenhormone bildet. Auch die Umwandlung von fT4 in das aktive fT3 läuft bei Eisenmangel schlechter. Gerade bei Hashimoto ist dieser Zusammenhang besonders relevant.
Die Haarfollikel gehören zu den stoffwechselaktivsten Zellen im Körper. Sie brauchen sehr viel Eisen und reagieren entsprechend empfindlich auf einen Mangel. Haarausfall, dünner werdendes Haar und brüchige Nägel sind oft die ersten sichtbaren Hinweise.
Auch das Immunsystem und das Nervensystem brauchen Eisen, um zuverlässig zu funktionieren. Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit, innere Unruhe und eine erhöhte Infektanfälligkeit können deshalb ebenfalls Folgen eines Eisenmangels sein.
Eisen ist also kein „Nice-to-have" und auch nicht nur für die Blutbildung wichtig. Es ist ein Schlüsselnährstoff, der überall dort gebraucht wird, wo der Körper Leistung erbringt.
Eisen und Schilddrüse hängen enger zusammen, als die meisten denken. Es ist keine Einbahnstraße, sondern eine Wechselwirkung in beide Richtungen:
Das erklärt, warum sich viele Frauen mit Hashimoto trotz „gut eingestellter" Schilddrüsenwerte weiterhin müde fühlen. Wenn das Eisen fehlt, kann auch L-Thyroxin oft nicht das leisten, was es eigentlich könnte.
Dazu kommt: Bei Hashimoto liegt fast immer eine stille Entzündung vor. Und genau diese Entzündung wirkt sich direkt auf die Eisenaufnahme aus, wie sich weiter unten zeigen wird.
Ein Eisenmangel fühlt sich nicht immer wie ein klassischer „Mangel" an. Häufig schleichen sich die Symptome langsam ein und werden anderen Ursachen zugeschrieben: dem Stress, dem Alter, der Familie, der Hashimoto selbst.
Viele dieser Symptome überlappen sich mit den klassischen Hashimoto-Beschwerden. Genau deshalb wird ein Eisenmangel bei Hashimoto-Betroffenen oft übersehen, oder umgekehrt wird der Eisenmangel behandelt, ohne zu wissen, dass die Schilddrüse mit hineinspielt.
Eisenmangel ist weltweit der häufigste Nährstoffmangel, und einige Gruppen sind besonders gefährdet. Eine Einordnung kann helfen, das eigene Risiko besser zu verstehen:
Wer mehrere dieser Punkte gleichzeitig erfüllt, also zum Beispiel als Frau mit Hashimoto, starker Periode und vegetarischer Ernährung, hat ein deutlich erhöhtes Risiko für einen Eisenmangel.
Blut zu spenden ist eine wunderbare Sache und kann Leben retten. Wer Hashimoto und eventuell auch noch einen Eisenmangel hat, sollte aber wissen, was eine Blutspende für den eigenen Eisenhaushalt bedeutet.
Mit jeder Vollblutspende von etwa 500 Millilitern gehen rund 200 bis 250 Milligramm Eisen verloren. Das ist eine erhebliche Menge, die der Körper über Monate erst wieder auffüllen muss. Bei Frauen mit Hashimoto, die durch die stille Entzündung sowieso Schwierigkeiten haben, Eisen aufzunehmen, kann das die Eisenspeicher dauerhaft im Keller halten.
Wer Hashimoto und einen niedrigen Ferritinwert hat, sollte vor einer Blutspende mit dem Arzt sprechen oder zunächst auf das Spenden verzichten, bis die Eisenspeicher wieder gut gefüllt sind. Eine Blutspende wird zwar standardmäßig auf den Hämoglobinwert geprüft, aber das Ferritin, also der eigentliche Eisenspeicherwert, wird in der Regel nicht mit bestimmt. Wer also einen Hämoglobinwert im Grenzbereich hat, könnte im schlechtesten Fall trotzdem schon mit leeren Eisenspeichern spenden gehen.
Grundsätzlich gilt: Hashimoto allein schließt eine Blutspende nicht aus, aber es lohnt sich, den eigenen Eisenstatus regelmäßig zu kontrollieren und Spenden nur bei wirklich gut gefüllten Speichern zu planen.
Auf vielen Laborbefunden taucht ein Wert namens „Eisen" oder „Serumeisen" auf. Viele denken dann: Das ist mein Eisenwert, der zählt. Genau hier liegt aber ein häufiger Irrtum. Denn „Eisen" und „Ferritin" sind zwei völlig unterschiedliche Dinge, und keiner der beiden Werte sagt allein etwas Verlässliches über die Eisenversorgung aus.
Damit der Zusammenhang klarer wird, hier die wichtigsten Werte einzeln erklärt:
Das ist die Menge an Eisen, die gerade frei im Blutserum zirkuliert. Dieser Wert schwankt sehr stark im Tagesverlauf, je nach Mahlzeit, Tageszeit, Zyklus oder Stresslevel. Er ist deshalb allein wenig aussagekräftig und bildet nicht die langfristige Versorgung ab. Ein Serumeisen im Normbereich kann trotzdem mit leeren Speichern einhergehen.
Ferritin ist das Speicherprotein für Eisen. Es zeigt also, wie gut die Eisenspeicher des Körpers gefüllt sind und ist damit der wichtigste Wert für die langfristige Eisenversorgung. Aber: Ferritin ist gleichzeitig ein sogenanntes Akute-Phase-Protein, das bei Entzündungen automatisch ansteigt. Ein „guter" Ferritinwert kann deshalb auch nur Entzündung widerspiegeln, ohne dass die Speicher tatsächlich voll sind. Genau deshalb sollte Ferritin immer zusammen mit dem sogenannten CRP-Wert, oder noch besser, hsCRP-Wert betrachtet werden.
Das hochsensitive CRP zeigt, ob im Hintergrund eine stille Entzündung läuft. Genau diese Entzündung kann über das Hormon Hepcidin die Eisenaufnahme blockieren, mehr dazu im nächsten Abschnitt. Ohne hsCRP lassen sich Ferritin-Werte nicht zuverlässig einordnen.
Transferrin ist das Transportprotein, das Eisen im Blut zu den Zellen befördert. Die Transferrin-Sättigung zeigt an, wie viel Prozent dieser Transporter aktuell mit Eisen beladen sind. Ein niedriger Wert ist oft ein früher Hinweis auf einen Eisenmangel, sogar bevor das Ferritin auffällig wird.
Was bedeutet das in der Praxis? Wer nur das Serumeisen anschaut, kann sich leicht in Sicherheit wiegen. Wer nur das Ferritin anschaut, übersieht möglicherweise eine versteckte Entzündung. Erst das Zusammenspiel aller Werte zeigt das wirkliche Bild.
Genau deshalb höre ich oft den Satz: „Mein Arzt sagt, mein Eisen ist gut." Und beim genaueren Hinschauen zeigt sich dann, dass tatsächlich nur das Serumeisen gemessen wurde, das aber gar nichts über die Speicher aussagt.
Jetzt kommt der vielleicht spannendste Punkt des Artikels: Viele Frauen schlucken seit Monaten Eisen, oft hochdosiert, und die Werte bewegen sich trotzdem nicht. Eine Coachee hat es treffend ausgedrückt:
„Ich habe das Gefühl, je mehr Eisen ich zu mir nehme, umso stärker ist meine Periode, so als ob mein Körper das Eisen über das Blut wieder loswerden will…"
Der Grund dafür liegt selten daran, dass zu wenig oben reinkommt. Sondern an einem kaum bekannten Hormon namens Hepcidin.
Hepcidin ist ein kleines Eiweißmolekül aus der Leber. Es ist sozusagen der Türsteher, der entscheidet, ob Eisen in die Zellen darf oder nicht.
Und jetzt der Punkt, den kaum jemand kennt: Hepcidin steigt bei jeder Form von Entzündung an. Auch bei der stillen, chronischen, die man gar nicht spürt.
Bei Hashimoto liegt fast immer eine stille Entzündung vor. Das heißt im Klartext: Hepcidin ist hier permanent recht hoch. Die Tür für Eisen bleibt zu, egal wie viel von oben in Form von Supplements oder eisenhaltigen Lebensmitteln reinkommt.
Evolutionär ist das ziemlich clever gedacht. Eisen ist nämlich zweierlei: ein lebenswichtiger Baustein für den Körper und gleichzeitig Treibstoff für Krankheitserreger.
Außerdem wirkt es in freier Form pro-oxidativ, das heißt, es erzeugt freie Radikale, die die Zellen schädigen können. Bei einer akuten Infektion ist es deshalb aus Sicht des Körpers sinnvoll, Eisen wegzusperren, damit die Erreger nicht damit gefüttert werden. Und auch bei chronischer Entzündung macht der Körper das nicht ohne Grund: Der oxidative Stress ist dort sowieso schon erhöht, und frei verfügbares Eisen würde das nur weiter befeuern.
Der Körper schützt sich in bestimmten Situationen also bewusst vor Eisen, statt es aufzunehmen.
Das heißt: Selbst wenn jemand Eisen supplementiert oder eisenhaltige Lebensmittel zu sich nimmt, kommt das Eisen oft kaum dort an, wo es gebraucht wird. Nicht in den roten Blutkörperchen, nicht in den Mitochondrien, nicht in der Schilddrüse und auch nicht in den Haarfollikeln.
Neben Hepcidin gibt es weitere Faktoren, die bei einem hartnäckigen Eisenmangel eine Rolle spielen. Folgende Punkte sehe ich in meinen Coachings immer wieder:
Sehr häufig bei Hashimoto. Ohne saures Milieu im Magen wird Eisen aus der Nahrung kaum aufgenommen, weil es zunächst aus den Lebensmitteln herausgelöst werden muss. Auch der B12-Spiegel kann bei Magensäuremangel sinken, weil dafür ebenfalls ein saures Milieu sowie Intrinsic Factor und Pepsin benötigt werden.
Wenn die Darmbarriere in keinem guten Zustand ist, kann Eisen nicht gut aufgenommen werden. Genau deshalb lohnt sich der Blick auf den Darmzustand bei hartnäckigem Eisenmangel fast immer.
Wer monatlich mehr verliert, als nachgebildet werden kann, ist im Dauerdefizit. Hier sollte man sich auch fragen, warum die Periode so stark ist, denn oft liegen hormonelle Ursachen wie eine Östrogendominanz zugrunde.
Aktive Schilddrüsenhormone werden für die Bildung der roten Blutkörperchen gebraucht. Bei einer Unterfunktion fehlt der Bauauftrag, und das kann den Eisenmangel zusätzlich verstärken.
Eisen braucht Vitamin C, Kupfer und B-Vitamine, um überhaupt verwertet zu werden. Besonders unterschätzt: Vitamin A. Es spielt eine wichtige Rolle dabei, Eisen aus den Speichern wieder freizugeben. Bei Vitamin-A-Mangel kann der Körper das gespeicherte Eisen schlechter mobilisieren, was bei Hashimoto besonders relevant ist, weil die Umwandlung von Beta-Carotin in aktives Vitamin A oft gestört ist.
Wer den eigenen Eisenmangel angehen möchte, hat mehrere Hebel zur Verfügung. Wichtig ist: Es bringt selten etwas, nur an einer Stellschraube zu drehen. Das Zusammenspiel macht den Unterschied.
Da, wie weiter oben erklärt, weder Serumeisen noch Ferritin allein ein verlässliches Bild geben, lohnt es sich, beim nächsten Termin gezielt nach den richtigen Werten zu fragen: Ferritin, Transferrin-Sättigung und hsCRP gemeinsam. Erst dann lässt sich erkennen, ob ein echter Eisenmangel vorliegt, ob im Hintergrund eine stille Entzündung läuft, oder beides zusammenwirkt.
Die meisten Hausärzte bestimmen diese Werte auf Anfrage. Bei manchen Kassen werden sie übernommen, bei anderen sind sie eine Selbstzahlerleistung im Bereich von 20 bis 40 Euro.
Die meisten klassischen Apothekenprodukte enthalten Eisen(II)-Sulfat. Davon werden nur etwa 20 % aufgenommen, der Rest reizt den Darm und sorgt für die typischen Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden, Durchfall oder Verstopfung, wegen derer viele Frauen ihre Eisenkur frustriert abbrechen.
Die elegantere Variante ist Eisenbisglycinat, eine an die Aminosäure Glycin gebundene Form. Es hat eine 2- bis 4-fach höhere Bioverfügbarkeit, wird deutlich besser vertragen und kommt mit niedrigeren Dosen aus. Ein Blick auf die Zutatenliste des Präparats lohnt sich also immer.
Besonders interessant sind Präparate, die zusätzlich Lactoferrin enthalten. Lactoferrin scheint das Hepcidin-System günstig beeinflussen zu können und damit gerade dann hilfreich zu sein, wenn eine stille Entzündung die Eisenaufnahme blockiert.
Ab etwa 60 mg Eisen pro Tag steigt Hepcidin für rund 24 Stunden stärker an und blockiert die weitere Eisenaufnahme. Deshalb empfiehlt die S1-Leitlinie der AWMF bei leichtem bis mäßigem Mangel die Einnahme von hoch dosierten Eisenpräparaten nur jeden zweiten Tag, bei schwerem Mangel weiterhin täglich. Den Schweregrad sollte der behandelnde Arzt einschätzen. Bei niedrigen Dosen unter 30 mg ist eine tägliche Einnahme für die meisten gut verträglich.
Die richtige Einnahme entscheidet oft mehr als die Wahl des Präparats. Folgende Punkte sind in der Praxis besonders wichtig:
Die Darmgesundheit entscheidet maßgeblich darüber, wie gut Nährstoffe aufgenommen werden. Hilfreich ist täglich genug Gemüse und fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut oder Kombucha, eventuell ein hochwertiges Kollagenpulver, zwischendurch eine Aloe-Vera-Saftkur und grundsätzlich eine Reduktion von Industriezucker, Weizengluten, konventionellen Kuhmilchprodukten und stark verarbeiteten Lebensmitteln. Das sind schnelle Hebel für eine spürbare Verbesserung des Darmzustandes.
Bei hartnäckigem Eisenmangel lohnt sich oft auch ein tieferer Blick auf den Zustand des Darms mittels einer Darmanalyse. Genau das schauen wir uns im Rahmen meines Metamorphose-Coachings auch detailliert an.
Die beste Eisenquelle aus Lebensmitteln ist rotes Fleisch, besonders Rind, Wild und Leber. Tierisches Eisen liegt als Häm-Eisen vor und ist direkt aufnehmbar, tatsächlich oft sogar besser als Eisen aus Supplementen.
Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln wird deutlich schlechter aufgenommen. Die ergiebigsten pflanzlichen Quellen sind Linsen, weiße Bohnen, Kichererbsen, Kürbiskerne, Sesam und Hirse. Das Problem dabei ist, dass viele Menschen mit Hashimoto Hülsenfrüchte oft schlecht vertragen. Vegetarisch und vegan lebende Frauen haben deshalb häufig ein erhöhtes Risiko für Eisenmangel und sollten ihre Werte besonders im Blick behalten.
Ein einfacher Test: vor jeder Hauptmahlzeit ein kleines Glas Wasser mit einem Esslöffel Apfelessig oder einem Spritzer Zitronensaft trinken. Auch ein paar Tropfen Bitterstoffe auf die Zunge geben kann helfen. Beides regt die Magensäure-Bildung sanft an und kann tatsächlich auch die Eisenaufnahme verbessern. Bei deutlichem Magensäuremangel kann zusätzlich Betain HCl als Magensäureersatz eine spürbare Entlastung bringen, vor allem bei träger Verdauung.
Wer nachts aufstehen muss, weil dicke Binden oder Tampons nach wenigen Stunden voll sind, oder eine Periode hat, die länger als sieben Tage dauert, sollte das bei einer guten Gynäkologin auf den Tisch bringen. Oft sind es Dysbalancen der Geschlechtshormone, insbesondere eine Östrogendominanz, die hier eine Rolle spielen und gezielt angegangen werden sollten.
Manchmal reicht eine orale Supplementierung nicht aus, vor allem dann, wenn die Eisenspeicher sehr leer sind oder die Aufnahme über den Darm durch eine starke Entzündung blockiert ist. In solchen Fällen kann eine Eiseninfusion in Rücksprache mit einem Arzt eine Option sein.
Bei einer Infusion wird Eisen direkt in die Vene gegeben und umgeht damit den Hepcidin-Mechanismus im Darm vollständig. Innerhalb weniger Wochen können die Speicher deutlich aufgefüllt werden, was vielen Frauen spürbar Energie zurückgibt.
Eiseninfusionen sind rezeptpflichtig und werden in der Regel von Hausärzten oder spezialisierten Praxen angeboten. Sie dürfen nicht von Heilpraktikern verabreicht werden. Eiseninfusionen sind in Deutschland erst dann Kassenleistung, wenn eine gesicherte Eisenmangelanämie vorliegt und eine orale Eisentherapie nicht ausreichend gewirkt hat oder nicht vertragen wurde. Ansonsten sind sie in der Regel eine Selbstzahlerleistung.
Wichtig ist eine gute medizinische Begleitung, da es in seltenen Fällen zu Unverträglichkeitsreaktionen kommen kann. Wer nach einer Infusion ein schlechteres Wohlbefinden bemerkt, sollte das immer mit dem Arzt besprechen, weil das zum Beispiel ein Hinweis auf chronische Erreger im Körper sein kann, für die Eisen wie ein Festmahl wirkt.
Eine Infusion ist kein Allheilmittel und ersetzt nicht die Arbeit an den Ursachen. Aber sie kann ein wertvoller Baustein sein, wenn der Körper alleine nicht hochkommt.
Ein unbehandelter Eisenmangel ist nicht nur unangenehm, er kann auf Dauer auch ernsthafte Folgen haben:
Das ist kein Grund zur Panik, aber ein guter Grund, das Thema nicht auf die lange Bank zu schieben. Ein Eisenmangel lässt sich meistens gut behandeln, wenn man die richtigen Hebel kennt.
Wenn das alles erst mal viel klingt, fang mit diesen drei Punkten an:
Eisen ist ein deutliches Beispiel für ein großes Prinzip unserer Biologie. Solange der Körper im Ungleichgewicht ist, lässt er sich nicht mal eben durch ein paar Pillen wieder ins Lot bringen.
Das Gleiche gilt übrigens auch für viele andere Nährstoffe – oder im Falle Hashimoto – für aktive Schilddrüsenhormone, die zwar substituiert werden, aber oft nicht gut greifen, weil der Körper im Stress ist. Gesundheit ist einfach komplex.
Aber: Was im Körper gerade vor sich geht, ist weder zufällig noch endgültig. Sobald das System ein neues Umfeld bekommt, in dem es zur Ruhe kommen darf, verändert sich oft alles. Deshalb ist eine ganzheitliche Herangehensweise in den meisten Fällen der einzige Weg für eine langfristige Verbesserung der Gesundheit.
Den Eisenspeicher aufzufüllen, beginnt selten beim Eisen. 💛
Typische Anzeichen sind Müdigkeit auch nach ausreichend Schlaf, Antriebslosigkeit, Brain Fog und Konzentrationsprobleme, Haarausfall und brüchige Nägel, kalte Hände und Füße, Herzrasen oder Atemnot bei Belastung, innere Unruhe, Restless Legs am Abend, eingerissene Mundwinkel und eine erhöhte Infektanfälligkeit. Blässe tritt meist erst bei einer Eisenmangelanämie auf. Bei Hashimoto überlappen sich diese Symptome oft mit denen der Erkrankung selbst, weshalb der Eisenmangel leicht übersehen wird.
„Eisen" oder „Serumeisen" ist die Menge an Eisen, die gerade frei im Blut zirkuliert. Dieser Wert schwankt stark im Tagesverlauf und sagt allein wenig über die tatsächliche Versorgung aus. Ferritin dagegen ist das Speicherprotein für Eisen und zeigt, wie gut die Eisenspeicher gefüllt sind. Es ist damit der wichtigere Wert für die langfristige Eisenversorgung. Allerdings steigt Ferritin auch bei Entzündungen an, weshalb es immer zusammen mit dem hsCRP betrachtet werden sollte.
Der Laborreferenzbereich beginnt für Frauen oft bei etwa 10 ng/ml. Funktionell wohlfühlen sich die meisten Frauen jedoch oft erst bei Werten zwischen 70 und 100 ng/ml. Der individuelle Optimalbereich kann natürlich variieren und hängt von zahlreichen Faktoren ab.
Eisen und Schilddrüse beeinflussen sich gegenseitig. Eisen ist Co-Faktor der Thyreoperoxidase, also genau des Enzyms, das die Schilddrüsenhormone bildet. Auch die Umwandlung von fT4 in das aktive fT3 läuft bei Eisenmangel schlechter. Umgekehrt werden aktive Schilddrüsenhormone für die Bildung der roten Blutkörperchen gebraucht. Eine Unterfunktion kann den Eisenmangel deshalb zusätzlich verstärken. Genau diese Wechselwirkung erklärt, warum sich viele Frauen trotz „gut eingestellter" Schilddrüsenwerte weiterhin müde fühlen.
Eine häufige Ursache ist erhöhtes Hepcidin. Hepcidin ist ein Hormon aus der Leber, das die Eisenaufnahme blockiert, sobald im Körper Entzündungen vorliegen, auch stille, chronische. Bei Hashimoto besteht fast immer eine solche stille Entzündung, weshalb das Eisen schlicht nicht aufgenommen wird, egal wie viel zugeführt wird. Weitere häufige Ursachen sind niedrige Magensäure, ein gestörter Darm, fehlende Co-Faktoren wie Vitamin C, Kupfer oder Vitamin A sowie eine starke Periode oder regelmäßige Blutspenden.
Hepcidin ist ein Eiweißmolekül aus der Leber, das wie ein Türsteher den Eintritt von Eisen in die Zellen reguliert. Bei niedrigem Hepcidin geht die Tür auf, Eisen wird aufgenommen. Bei hohem Hepcidin geht die Tür zu, das Eisen kommt nicht durch. Hepcidin steigt bei jeder Form von Entzündung an. Bei Hashimoto und der dabei häufig vorliegenden stillen Entzündung bleibt Hepcidin oft dauerhaft erhöht.
Eine Hashimoto allein schließt eine Blutspende in den meisten Fällen nicht aus, vorausgesetzt die Erkrankung ist stabil und gut eingestellt. Wichtiger ist jedoch der Blick auf den Eisenstatus. Bei jeder Vollblutspende gehen rund 200 bis 250 Milligramm Eisen verloren. Da Frauen mit Hashimoto durch die stille Entzündung sowieso Schwierigkeiten haben, Eisen aufzunehmen, kann das die Speicher dauerhaft leer halten. Wer einen niedrigen Ferritinwert hat, sollte vor einer Spende mit dem Arzt sprechen oder zunächst warten, bis die Speicher wieder gut gefüllt sind. Das standardmäßig gemessene Hämoglobin sagt allein nichts über die Eisenspeicher aus.
Eisenbisglycinat, also Eisen gebunden an die Aminosäure Glycin, hat eine 2- bis 4-fach höhere Bioverfügbarkeit als das klassische Eisen(II)-Sulfat aus den meisten Apothekenpräparaten. Es wird deutlich besser vertragen, verursacht seltener Magen-Darm-Beschwerden und kommt mit niedrigeren Dosen aus. Besonders interessant sind Präparate mit zusätzlichem Lactoferrin, da Lactoferrin das Hepcidin-System günstig beeinflussen und damit die Eisenaufnahme bei stiller Entzündung verbessern kann.
Am besten morgens auf nüchternen Magen, idealerweise 30 Minuten vor dem Frühstück, zusammen mit einem Glas Wasser und einem Spritzer Zitronensaft. Wichtig ist, mindestens eine Stunde Abstand zu Kaffee, schwarzem Tee und Milchprodukten zu halten, weil diese die Aufnahme hemmen. Schilddrüsenmedikamente und Eisen sollten mit mindestens vier Stunden Abstand eingenommen werden, weil Eisen die Aufnahme von L-Thyroxin blockiert.
Bei oraler Supplementierung mit einem gut verträglichen Präparat dauert es nicht selten sechs Monate oder mehr, bis sich die Eisenspeicher signifikant auffüllen. Bei sehr tiefen Speichern oder zusätzlicher stiller Entzündung kann es nochmal deutlich länger dauern oder sogar kein Fortschritt sichtbar werden. Eine Eiseninfusion wirkt schneller, aber auch hier braucht der Körper Zeit. Ein niedriger Hämoglobinwert normalisiert sich dabei oft schon nach wenigen Wochen, der Ferritinwert braucht vergleichsweise deutlich länger.
Eine Eiseninfusion kann sinnvoll sein, wenn der Eisenspeicher sehr niedrig ist, die orale Supplementierung nicht greift oder die Aufnahme über den Darm durch eine starke Entzündung blockiert ist. Bei einer Infusion wird Eisen direkt in die Vene gegeben und umgeht damit den Hepcidin-Mechanismus im Darm. Wichtig ist eine gute medizinische Begleitung, da es in seltenen Fällen zu Unverträglichkeitsreaktionen kommen kann. Eine Infusion ersetzt nicht die Arbeit an den Ursachen, kann aber ein wertvoller Baustein sein.
Die beste Eisenquelle ist rotes Fleisch, besonders Rind, Wild und Leber. Tierisches Eisen liegt als Häm-Eisen vor und wird direkt aufgenommen, oft sogar besser als Eisen aus Supplementen. Pflanzliche Quellen wie Linsen, weiße Bohnen, Kichererbsen, Kürbiskerne, Sesam und Hirse enthalten ebenfalls Eisen, das aber deutlich schlechter aufgenommen wird. Wichtig zum Timing: Calcium aus Milchprodukten hemmt die Eisenaufnahme bei gleichzeitiger Einnahme, ein paar Stunden Abstand zwischen eisenreichen Mahlzeiten und Milchprodukten ist deshalb sinnvoll.
Die typischen Nebenwirkungen wie Übelkeit, Verstopfung oder Durchfall entstehen vor allem bei klassischem Eisen(II)-Sulfat, weil etwa 80 Prozent davon nicht aufgenommen werden und stattdessen den Darm reizen. Ein Wechsel zu Eisenbisglycinat, eventuell in Kombination mit Lactoferrin, wird in der Regel deutlich besser vertragen. Auch eine geringere Dosis und die Einnahme nur jeden zweiten Tag können helfen, die Beschwerden zu reduzieren.
Ja. Wenn sich das Wohlbefinden durch Eisensupplemente oder Eiseninfusionen sogar verschlechtert, kann das ein Hinweis auf chronische Erreger im Körper sein, für die Eisen wie ein Festmahl wirkt. Auch eine chronische Helicobacter-pylori-Besiedlung im Magen gehört zu den oft übersehenen Ursachen. In solchen Fällen ist es sinnvoll, vor weiterer Supplementierung der eigentlichen Ursache nachzugehen.
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